Archiv für April 2013

Gentechnikfilz-Newsletter am 20.3.2013

Hallo,
das war ein schöner Krimi-Lesetag, den mir die Staatsanwaltschaft Magdeburg da bescherte, als sie die Akte zur Überwachung eines Aktivisten aus dem bäuerlichen Protestspektrum (AbL) und mir übersandte. Der Höhepunkt: das Kartoffelfeld in Gatersleben 2012 war ein „präpariertes“ Feld, um die FeldbefreierInnen zu fangen. Das allein ist schon absurd, dass in diesem Land nun auch Genfelder angelegt werden, um GegnerInnen zu fangen. Aber filmreif ist die Tatsache, dass das Feld angegriffen und zerstört wurde – aber die Fallen nicht funktionierten (warum auch immer …). Die ganze Story kann im Internet nachgelesen werden. Ein recht guter Artikel erschien in Neues Deutschland – und am 13.3. dann eine sehr umfangreiche Schilderung in der FR. Zwei Wochen später schwappte das Geschehen dann endlich auch in die Medien von Sachsen-Anhalt – genauer in die MZ. Die ganze Abhörstory findet sich laufend unter www.projektwerkstatt.de/abhoeren2011 … da sich zur Zeit fast täglich etwas tut, lohnt das Umgucken im Netz oder auf der genannten Seite.
Ansonsten sind wir im Frühjahr angekommen – aber immer noch nicht ist ganz klar, wie das mit den Feldern aussieht. Allerdings steigt die Chance, dass es eine gentechnikfreie Anbausaison wird, immer mehr. Am 13.3.2013 zitierte die FR den Lobbyisten Uwe Schrader, dass es in Sachsen-Anhalt wohl keine Felder geben würde. Wo aber dann sonst? Bislang ist nichts zu erkennen – nur der Impfversuch mit Pferden in Mecklenburg-Vorpommern und dann ab Herbst das gv-Weizenfeld des IPK Gatersleben, geplant im Schaugarten Üplingen, bleiben möglich. Unten folgt die aktuelle Übersicht über den aktuellen Stand. Immer aktualisiert steht sie unter www.gentech-weg.de.vu.

Lage 2013 – Deutschlands erster gentechnikfreier Sommer seit Langem?

Am 13. März erschien in der FR ein Artikel, in dem Uwe Schrader, Top-Lobbyist der Agrogentechnik in der Hochburg Sachsen-Anhalt zitiert wurde mit zwei bemerkenswerten Aussagen. Zum einen kündigte er an, dass es im Land wohl keine Genversuchsfelder in diesem Jahr geben wird (wahrscheinlich meinte er aber nur für die Anbausaison, denn für Herbst ist ein Winterweizenfeld angekündigt). Zum anderen benannte er die Feldbefreiungen als Hauptgrund – und sprach mit Bezug auf die spektakulären Zerstörungen vor allem der beiden hochgesicherten Hauptzentren im Juli 2011 von einem „Genickbruch“. Bislang können wir auch nirgends Aktivitäten für Felder nachweisen – weder vor Ort noch in Ankündigungen noch im Internet. Sicher ist das noch nicht, aber es nähert sich die Erfolgsmeldung (die natürlich nicht von Dauer sein muss, aber erstmal ist erreicht, was nötig wäre auf dem Weg zur Gentechnikfreiheit: Die Auskreuzungsquellen durch Pflanzen sind – zumindest hierzulande – gestoppt! Draußen, genauer bei Grabow, stehen allerdings die Pferde im gv-Impfversuch.
Im Folgenden findet Ihr unsere Rechercheergebnisse, wie die Lage so ist. Dazu erstmal vorweg: Das Freisetzungsregister funktioniert wieder, d.h. mensch kann schauen, was dort an Versuchsfeldern genehmigt oder beantragt ist. Ein Feld muss dort mindestens drei Monate vor der Aussaat erstmals stehen. Dann reichen weitere drei Tage im Standortregister und es kann losgehen. Das Standortregister zeigt dann, was tatsächlich auf den Feldern ausgesät wird bzw. werden kann. Ob es die Felder dann wirklich gibt, ist nur über einen Besuch vor Ort zu klären. Mit der Wiederfreischaltung des Freisetzungsregisters haben sich aber alle Links verändert – auf unserer Übersichtsseite www.gentech-weg.de.vu und in der folgenden Übersicht sind schon die neuen Links enthalten.
• Das AgroBioTechnikum in Groß Lüsewitz einschließlich der Felder dort ist Geschichte (schon vermeldet). Am 22. April gibt es dazu eine kleine „Siegesfeier“ mit Rückblick auf die vergangenen Protestjahre (18 Uhr bei BioFrisch in Teschendorf östlich Rostock).
• Üplingen als Standort wackelt ebenfalls immer mehr. Da erstens im Sommerhalbjahr 2013 der Weizenversuch des IPK dort noch nicht stehen wird, fehlt voraussichtlich ein Grund bzw. die finanzielle Potenz, den Garten anzulegen. Zweitens hat ja Uwe Schrader laut FR am 13.3.2013 gesagt, dass es wohl keine Felder in diesem Jahr in Sachsen-Anhalt geben wird – und Üplingen liegt dort. Außerdem habe kreative Köpfe die Anlage einfach eines Nachts kurzerhand abgebaut. Kerstin Schmidt bemüht sich aber weiterhin um neue Gelder des Forschungsministeriums und versucht, Firmen zur Verlegung ihrer Freisetzungen nach Üplingen zu bekommen. Entscheidend könnte werden, ob die Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz die Ackerfläche überhaupt wieder für diese Zwecke verpachtet. Stadt Braunschweig und die evangelische Kirche sind hier entscheidend, aber wohl beide der Gentechnikmafia ausreichend wohlgesonnen. Ausführend ist jedoch eine Behörde, die zum Landwirtschaftsministerium Niedersachsen gehört – und das ist jetzt in grüner Hand! Wir dürfen gespannt sein, ob hier eher gekünastelt wird (sprich: alles darf weiterlaufen wie bisher) oder sich etwas ändert …
• Für den Zeitraum Herbst 2013 (ursprünglich schon 2012 geplant, klappte aber nicht) bis Ende August 2016 ist ein Winterweizenversuch des IPK Gatersleben für den Standort Üplingen geplant.
• Der BASF-Kartoffelversuch auf dem Limburgerhof (BASF-Agrarbetriebsgelände südlich Ludwigshafen) wird nicht stattfinden. Der Antrag wurde zurückgezogen.
• Es gibt zur Zeit keine erkennbaren Aktivitäten für Versuchsfelder in der Anbausaison 2013. Denkbar sind laut Anmeldestand weiter das Monsanto-Rübenfeld in Gerbitz (oder Thulendorf, Üplingen) und das KWS-Rübenfeld in Üplingen. Weiter gültig sind auch die Genehmigungen der Uni Rostock für Tabak (mögliche Orte: Thulendorf, Üplingen) und Weizen (mögliche Orte: Thulendorf, Üplingen) sowie von Mais der Firma Pioneer (in Zabeltitz, Üplingen oder Thulendorf). Theoretisch ist auch noch ein BASF-Versuch mit Kartoffeln möglich – das würde aber der Ankündigung von BASF widersprechen (was wiederum nichts heißen muss …).
• Pflanzen zum Anbau wird es wohl kaum geben. MON810 ist in Deutschland verboten, die BASF-Kartoffel Amflora will selbst BASF nicht mehr. Laut der [http://www.transgen.de/aktuell/1701.doku.html Gentechnik-Propagandaplattform TransGen] will die EU bis 2014 keine anderen Pflanzen zulassen.
• Für 2013 und 2014 steht zudem der umstrittene Impfversuch an Fohlen in Grabow (Mecklenburg-Vorpommern) im Freisetzungsregister – und seit dem 20.3. auch im Standortregister. Seit dem 25. März stehen die Pferde auch im Freien (siehe Bericht unten).
Mit direkt anwählbaren Links zu den Feldgenehmigungen usw. ist dieser Text auch auf www.gentech-weg.de.vu zu finden.

NEUES AUS DEN SEILSCHAFTEN
Strafanzeige gegen Horst Rehberger

Wegen der Denunziation, die zur Telefonüberwachung führte, hat ein Betroffener nun Strafanzeige gegen Horst Rehberger gestellt – wegen falscher Verdächtigung. Auszug aus der Begründung zur Beschwerde gegen die Telefonüberwachung (Seite 7): „Ich stelle hiermit aus diesem und allen anderen in Frage kommenden Gründen Strafanzeige gegen Horst Rehberger. Ich verzichte nicht auf eine Benachrichtigung und wünsche, über den Fortgang des Verfahrens informiert zu werden. Insbesondere beantrage ich Akteneinsicht zum Abschluss der Ermittlungen – mit dem gleichen Recht, wie Rehberger die Akten zu dem hier verhandelten Verfahren überlassen wurden.“

Rotgrün in Niedersachsen: Aus für HannoverGEN, aber Forschung bleibt möglich

Der Regierungswechsel in Niedersachsen könnte für die GentechniklobbyistInnen Probleme bringen, wenn … ja, wenn dort gehandelt wird entsprechend den Ankündigungen und Möglichkeiten. Der Ausschnitt aus dem Koalitionsvertrag zu „Gentechnikfreies Niedersachsen“ liest sich so: „Im Verbund mit der Landwirtschaft wird die rot-grüne Koalition alle Möglichkeiten ausschöpfen, Niedersachsen gentechnikfrei zu halten und dafür keine Fördermittel bereitstellen. Im Bundesrat wird sich die Landesregierung dafür einsetzen, dass es keine weiteren Lockerungen am derzeitigen Gentechnikgesetz geben wird und die Verursacher entsprechender Kontaminationen zum Schadenersatz herangezogen werden. Niedersachsen wird dem Bündnis der gentechnikfreien Regionen beitreten. Die rot-grüne Koalition wird dafür sorgen, dass auf landeseigenen Flächen keine Gentechnik eingesetzt werden darf. Sie setzt sich dafür ein, dass jede Verunreinigung von Saatgut, Futter- und Lebensmitteln durch gentechnisch veränderte Organismen im Sinne einer echten Null-Toleranz vermieden wird. Damit die Verbraucherinnen und Verbraucher die klare Wahl haben, soll eine Kennzeichnung erfolgen. Dazu gehört auch eine Positiv-Kennzeichnung tierischer Produkte, die nachweislich ohne den Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel erzeugt werden. Das Projekt HannoverGEN wird beendet.“
Ein Problem besteht darin, was fehlt: Zu Versuchsfeldern steht nichts in der Vereinbarung – und mehrere Zeitungen vermeldeten, dass dieses mit Rücksicht auf den Global Gentechplayer KWS Saat AG mit Sitz im niedersächsischen Einbeck auch ganz bewusst geschah (so wie in Rheinland-Pfalz, wo die grüne Ministerin auch gleich zusicherte, BASF nicht ärgern zu wollen).
Indirekt hängt der Schaugarten in Üplingen am nun grün geführten Landwirtschaftsministerium, denn eine dem unterstehende Behörde macht die Pachtverträge – und die müssen 2013 offenbar neu abgeschlossen werden.

Hochsicherheitszentrum für Feldversuche in Schweiz geplant

Aus telepolis am 17.3.2013: Neben der Zögerlichkeit der Regierung und der ablehnenden Haltung der Menschen es noch die radikalen Gentechnikgegner in Europa, die immer wieder Anschläge auf Versuchsfelder machen. Deswegen haben die Wissenschaftler im staatlichen Auftrag ein vor Vandalismus geschütztes Feld („protected site“) entwickelt, um ungefährdet Freilandversuche zur Bewertung von gentechnisch veränderten Pflanzen durchführen zu können. …
Das durch die Technik geschützte, 3 Hektar große Feld soll nun mit jährlichen Kosten von 600.000 Euro betrieben werden und Forschern zum Evaluieren ihrer gentechnischen Innovationen dienen. Ungeschützte Felder und Vandalismus seien ein Grund dafür, warum es mit der Gentechnik in Europa nicht vorangehe, meinen die Schweizer.

Anwohner, BUND und Umweltinstitut München demonstrierten gegen den Beginn des Freisetzungsversuchs mit Gen-Impfstoff für Pferde

Aus einer Presseinformation des BUND vom 25.3.2013: „Heute vormittag, am Montag, dem 25.03.2013 fand um 11:00 Uhr in Grabow, Ortsteil Heidehof eine spontane Demonstration statt. Dreißig Gentechnik-Gegner protestierten vor dem Quarantänestall des Lewitz-Gestüts in Grabow gegen den Beginn des Freisetzungsversuchs mit einem gentechnisch veränderten, bakteriellen Lebend-Impfstoff an Pferden. Gemeinsam mit dem BUND machten die Menschen vor Ort klar, dass sie gegen diesen Freisetzungsversuch sind, weil sie sich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen. Der BUND verweist auf die unvorhersehbaren Gefahren hin, die durch die Freisetzung gentechnisch veränderter Bakterien entstehen können. Frau Rosemarie Roeschke, betroffene Bürgerin aus Grabow-Heidehof klagte in Sommer letzten Jahres gegen die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und beantragte, die erteilte Genehmigung zur Durchführung der Freisetzung des gentechnisch veränderten Lebend-Impfstoff für Pferde in Grabow-Heidehof aufzuheben.“

Maulkorb per Gericht: Sachstand in Saarbrücken

Auf die umfangreiche Zusammenstellung aller Beweise für den Betrug mit Sicherheitsforschungs-Fördergeldern, die Anwalt Tronje Döhmer und der Beklagte nochmal erstellt haben, liegt jetzt die Entgegnung vor. Die ist interessant: Offenbar mussten die Rechtsanwälte (Anwaltsbüro von Horst Rehberger) die Stellungnahme selbst verfassen. Von denen, die der Betrügereien bezichtigt werden (Uwe Schrader, Kerstin Schmidt, Inge Broer und weitere Uni-ProfessorInnen) will möglicherweise niemand mehr mitwirken. So fehlen jegliche Gegenbeweise – alles wird nur pauschal bestritten. Das Horst Rehberger höchstpersönlich seine Finger im Spiel hat, lässt sich aus einem bemerkenswerten Vorgang vermuten, der – völlig ohne Zusammenhang – an das Schreiben vom 13.3.2013 angehängt ist. Dort wird nämlich bezüglich der spektakulären Abbauaktion des Schaugartens Üplingen durch Unbekannte im Januar dieses Jahres mal wieder behauptet, eine Quellenangabe auf einem Schreiben würde „den Verdacht einer Beteiligung des Beklagten entstehen lassen“. Das erinnert an den Überwachungsskandal, der jetzt gerade in den Medien thematisiert wurde. Auch dort hatte Horst Rehberger den Kritiker Jörg Bergstedt zum Täter erklärt – und die sachsen-anhaltinischen Ermittlungsbehörden und Gerichte (wie üblich, völlig gentechnikfreundlich) hatten die Idee blind übernommen. Das aktuelle Schreiben findet sich wie auch eine Darstellung des gesamten Verfahrens hier …

CD zu Gentechnik und den Gentech-Seilschaften selbst brennen!

Die Materialsammlungen von www.aktionsversand.de.vu und auf dem Büchertisch wird es demnächst nicht mehr geben – macht zuviel Arbeit. Dafür kann mensch sie sich aus dem Internet herunterladen und selbst brennen. Das geht mit (hoffentlich) jedem Brennprogramm: Einfach die passende ISO-Datei für die jeweilige CD herunterladen und dann im Brennprogramm einstellen, dass von einer solche ISO- bzw. Imagedatei gebrannt werden soll. Alles Nähere und die Downloadlinks …

SPRÜCHEKLOPFERiNNEN

Es gibt einen neuen „Bericht an den Club of Rome“. Aber so, wie der Club eine seltsame Mischung von ausrangierten Konzernchefs, Spitzenpolitikern und ähnlichen dubiosen Persönlichkeiten ist, so regt auch das Buch vor allem zum Kopfschütteln an. Der Höhepunkt: die 20 Ratschläge zum Schluss. Mal alle genannt und ein paar Auszüge aus den jeweiligen Erläuterungen:
„20 persönliche Ratschläge
… Viele Ratschläge richten sich speziell an Menschen wie mich selbst, die in der Geborgenheit der reichen Länder leben. Aber es dürfte kein Problem sein, die nicht zutreffenden Teile zu ignorieren und den Rest an Ihre persönliche Situation anzupassen. Für die, die in Armut leben, ist mein Rat derselbe wie vor 40 Jahren: Arbeiten Sie gemeinsam mit anderen unablässig für eine gerechte, leistungsfähige und wohlgeordnete Gesellschaft. Dazu kann es kurzfristig notwendig sein, mit einigen Unge¬rechtigkeiten und Traditionen zu brechen und auch Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. …
1. Legen Sie mehr Wert auf Zufriedenheit als auf Einkommen …
2. Vermeiden Sie eine Vorliebe für Dinge, die bald verschwunden sein werden …
3. Investieren Sie in hochwertige Unterhaltungselektronik als Ersatz für die Realität …
Ich rate Ihnen also, sich die Hard und Software zu besorgen, die Sie für einen schönen virtuellen Abend zu Hause brauchen. Wenn Sie sie ein Jahr¬zehnt lang jeden Tag benutzt haben, werden Sie sich daran gewöhnt haben. Und in der Zeit, in der Sie aktiv an einer Änderung Ihrer Vorlieben arbeiten, wird sich das virtuelle Angebot über Ihre kühnsten Träume hinaus weiterentwickeln.
4. Erziehen Sie Ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern … Wenn Ihr Kind also das nächste Mal am Computer sitzt, Ihrer Meinung nach aber im Freien an einem Lagerfeuer sitzen sollte, sagen Sie lieber nichts. Wenn Sie Ihrem Kind beibringen, die Einsamkeit der unberührten Wildnis zu lieben, wird es etwas lieben, das es immer seltener geben wird. Sie erhö¬hen dadurch die Chance, dass Ihr Kind unglücklich wird, weil es das, was es sich wünscht, nicht mehr finden wird … Die neue Generation lernt besser von Anfang an, im pulsierenden Leben der Megastädte zu Frieden, Ruhe und Zufriedenheit zu finden und bei endloser Musikuntermalung in den Ohren.
5. Wenn Ihnen die Vielfalt des Lebens am Herzen liegt, genießen Sie sie, solange Sie noch können … Wenn Sie die Artenvielfalt der Erde noch in Fleisch und Blut erleben wol¬len, dann machen Sie es jetzt. Wenn Sie bereits Ratschlag Nummer 2 befolgt haben und den elektronischen Tourismus bevorzugen, können Sie sich ent¬spannt zurücklehnen. Der größte Teil der natürlichen Vielfalt ist bereits in allen Details elektronisch erfasst. Noch lange nachdem die Originale ver¬schwunden sind, wird das Publikum der Zukunft sich an der beeindruckenden Artenvielfalt erfreuen können. …
6. Besuchen Sie die Sehenswürdigkeiten der Welt, bevor Sie durch die Menschenmassen ruiniert werden … Reisen Sie, solange Sie es noch können. Lassen Sie sich von Hindernissen wie der Terrorismusgefahr, den langen Buchungszeiten oder den unbequemen Sitzen in der Touristenklasse nicht abschrecken. Im Jahr 2052 wird es zu spät sein. Dann wird die Weltkultur noch flacher sein und die Museen sind noch voller.
7. Wohnen Sie an einem Ort, der vom Klimawandel möglichst wenig betroffen ist …
8. Ziehen Sie in ein Land, in dem Entscheidungen getroffen werden können …
9. Finden Sie heraus, welche Folgen fehlender Nachhaltigkeit ihre Lebensqualität am meisten beeinträchtigen werden …
10. Wenn Sie nicht im Dienstleistungsbereich oder in der Pflege arbeiten wollen, suchen Sie sich einen Job in den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien …
11. Raten Sie Ihren Kindern, Mandarin zu lernen …
12. Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, jedes Wachstum sei gut …
13. Denken Sie daran, dass Ihre fossilen Wertanlagen eines Tages plötzlich ihren Wert verlieren werden …
14. Investieren Sie in Dinge, die robust gegen soziale Unruhen sind …
15. Tun Sie mehr als Sie müssen. So vermeiden Sie später ein schlechtes Gewissen …
16. Für Unternehmer: Loten Sie das Geschäftspotenzial von Verbesserungen der Nachhaltigkeit aus …
17. Für Unternehmer. Mengenwachstum bedeutet nicht automatisch Gewinnsteigerung …
18. Für Politiker. Wenn Sie wiedergewählt werden wollen, unterstützen Sie nur Initiativen, die kurzfristige Gewinne versprechen …
19. Für Politiker. Denken Sie daran, dass wir in Zukunft an viele Grenzen stoßen werden …
20. Für Politiker. Akzeptieren Sie, dass der gleichberechtigte Zugang zu begrenzten Ressourcen wichtiger werden wird als die Redefreiheit“

Stoff zum Nachdenken:
• Kritik an vereinfachten Welterklärungen: www.kopfentlastung.de.vu
Emanzipatorische Gentechnikkritik

NACHRICHTEN ZUR AGROGENTECHNIK

Wir produzieren mehr als genug Nahrungsmittel und verschwenden die Hälfte
In einem Bericht machte das Institut der Maschinenbauingenieure (ImechE, Institute of Mechanical Engineers, UK) darauf aufmerksam, dass die Hälfte aller Nahrungsmittel, die weltweit produziert werden – das entspricht etwa 2 Milliarden Tonnen – jedes Jahr auf dem Müll landen. In den USA, Kanada und Europa werden 40 Prozent aller Nahrungsmittel verschwendet. Frühere Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass die weltweite Nahrungsmittelproduktion ausreichen würde, das Zweifache der heutigen Bevölkerung zu ernähren. Diese Tatsachen sind ein Rückschlag für die Kampagnen der Gentech-Firmen, die die Menschen davon überzeugen wollen, dass ihre Technologie für die Welternährung notwendig ist. (Quelle)

WIDERSTAND, AKTIONEN, PROJEKTE
Prozess gegen belgische Feldbefreier_innen

Am 2. April geht der Prozess gegen die Belgier_innen, die im Mai 2011 GMO-Kartoffeln unschädlich gemacht haben, in die nächste Instanz. In erster Instanz wurden sie im Januar ja zu insgesamt mehr als 25.000 Euro Strafe und für fünf von ihnen 6 bis 8 Monate Gefängnis verurteilt. Jetzt beginnt also die nächste Runde vor Gericht in Dendermonde.

Neue Ton-Bilder-Schau in Vorbereitung!

„Monsanto auf Deutsch“ dürfte inzwischen viele kennen. Mehrere 100mal ist die Ton-Bilder-Schau gelaufen – als Abendveranstaltung mit 5 bis 180 BesucherInnen (den Rekord hält bis heute einer der ersten Abende überhaupt, nämlich der in Kammerstein), als Teil größerer Kongresse (dann auch mit mehr ZuschauerInnen) oder per DVD ohne Referent. Das Projekt trug seinen Teil dazu bei, die Agrogentechnik weitgehend von den Feldern zu drängen. Doch weder ist damit alles gut noch ist Gentechnik das einzige Problem. Deshalb gibt es jetzt demnächst eine neue Ton-Bilder-Schau … folglich können auch alle, die schon einmal „Monsanto auf Deutsch“ bei sich hatten, überlegen, nochmal was zu machen in der nächsten Zeit, z.B. auf der Veranstaltungstour im Juni durch den Süden oder andernorts. Anfragen erwünscht … hier ein Werbetext für die Veranstaltung:
Die Mischung macht’s – erfolgreiche Strategien des Widerstandes am Beispiel der Agrogentechnik
Seit 2004 starteten Gentechnikkonzerne und Lobbygruppen eine neue Kampagne zur Durchsetzung ihrer Profitinteressen und zur Anlage von Feldern mit manipulierten Pflanzen. Ab 2005 entwickelte sich – wie schon Mitte der 90er Jahre – eine spannende Mischung des Widerstandes: Feldbefreiungen, Feldbesetzungen, Aktionen vor Konzernzentralen und -versammlungen, Recherchen hinter den Kulissen, brisante Veröffentlichungen und viele informative Veranstaltungen. Mit Erfolg: 2012 gab es kam noch Felder und die großen Konzerne kündigten ihren Abgang aus Deutschland an – und der Sommer 2013 wird wahrscheinlich ganz ohne gv-Pflanzen ablaufen. Da lohnt sich der Rückblick: Was macht solche Widerstandsstrategien aus? Und was lässt sich daraus für andere Kampagnen und Aktionen lernen – z.B. für den Widerstand gegen Atom oder Kohle, Tierfabriken oder Schlachthöfe, Nazis oder Sozialabbau, Militär oder Repression. Fotos, kurze Filme und ausgewählte Anekdoten machen die Ton-Bilder-Schau zu einer rasanten Erinnerung an vergangene Protestjahre. Dann folgen Thesen für eine entschlossenere Protestkultur auch zu anderen Themen. Am Ende besteht die Gelegenheit zur Debatte, Entwicklung eigener Ideen und für konkrete Verabredungen …