Archiv für Juli 2012

Ton-Bilder-Schau „Monsanto auf Deutsch – Seilschaften zwischen Behörden, Forschung und Gentechnikkonzernen“

Kennen Sie Filme oder Bücher über Monsanto? Immer wieder wird einen intensiver Filz zwischen Konzern und Aufsichtsbehörden aufgedeckt. Doch St. Louis, der Firmensitz des Round-up- und Agent-Orange-Herstellers, ist weit weg. Wie aber sieht es in Deutschland aus? Warum werden hier Jahr für Jahr immer neue Felder angelegt, obwohl 80 Prozent der Menschen keine Gentechnik im Essen wollen? Warum fließen Steuergelder auch dieser 80 Prozent fast nur noch in die Gentechnik, wenn es um landwirtschaftliche Forschung geht? Der Blick hinter die Kulissen der Gentechnik mit ihren mafiosen Strukturen und skandalösen Zustände bei Genehmigungen und Geldvergabe bietet eine erschütternde Erklärung, warum die überwältigende Ablehnung und der gesetzlich eigentlich vorhandene Schutz gentechnikfreier Landwirtschaft (einschließlich Imkerei) gegenüber der grünen Gentechnik so wenig Wirkung hat. Denn: In den vergangenen Jahrzehnten sind alle relevanten Posten in Genehmigungsbehörden, Bundesfachanstalten und geldvergebenden Ministerien mit GentechnikbefürworterInnen besetzt worden. Die meisten von ihnen sind direkt in die Gentechnikkonzerne eingebunden. Mafiose Geflechte von Kleinstunternehmen und seltsamen Biotechnologieparks names Biotechfarm oder Agrobiotechnikum sind entstanden, zwischen denen Aufträge und Gelder erst veruntreut und dann hin- und hergeschoben werden, bis sich ihre Spur auf den Konten der Beteiligten verliert. Es wird Zeit für einen Widerstand an den Orten der Seilschaften.
In der Veranstaltung werden minutiös die Seilschaften zwischen Behörden, staatlicher und privater Forschung, Konzernen und Lobbyorganisationen durchleuchtet. Jeweils eine Firma (BioOK), eine Behörde (BVL = Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit), das wichtigste Forschungszentrum AgroBioTechnikum (nahe Rostock) und der Lobbyverband InnoPlanta mit den jeweiligen Firmengeflechten werden vorgestellt. Am Beispiel eines kleinen Versuchsfeldes zeigt sich: Deutsche Genfelder sind nichts als Fördermittelbetrug, Schlamperei und der Wille, die Auskreuzung aktiv herbeizuführen.
Um die Wut zu Entschlossenheit statt zur Ohnmacht zu wenden, bildet ein Ausblick auf Möglichkeiten des Widerstandes den Abschluss: „Wer nach mehr Forschung ruft oder sich auf staatliche Stellen verlässt, ist verlassen. Gentechnikfreiheit gibt es nur dann, wenn die 80 Prozent Ablehnung sich auch zeigen!“.
Der Referent, Jörg Bergstedt, ist Aktivist und Autor des Buches „Monsanto auf Deutsch“, in dem die Gentechnik-Seilschaften beschrieben werden.

Die nächsten Termine:

  • Montag, 6.8. abends im Waldcamp Hambacherforst
  • Donnerstag, 25.10. in Marbach (bei Stuttgart, Näheres folgt)
  • Freitag, 26.10. im Rems-Murr-Kreis (Näheres folgt)
  • Samstag, 27.10., 19.30 Uhr in Donaueschingen (Donauhallen) auf dem Berufs-Imkertag

Im November folgt dann eine Bayern- und Österreichtour mit der Veranstaltung.

Die Lage an den drei verbliebenen Genversuchsfeldern

Am 24. Juli 2012 besuchte ein Filmteam die drei Felder. Hier das Ergebnis:

Feld Monsanto-Rüben Nienburg-Gerbitz:

  • Weiterhin bewacht
  • völlig ver“un“krautet (Melde usw.)
  • Laut Aussage der Bauern auf Nachbarfeldern seit langem niemand mehr auf dem Feld

Bewertung: Wahrscheinlich ist, dass das Feld entweder zerstört ist oder nie eines war (Verdacht besteht seit einiger Zeit, dass dieses Feld 2012 und auch schon 2011 nur simuliert wurde)

Feld BASF-Kartoffeln Baalberge:

  • Hier kursiert ein BekennerInnenbrief der Zerstörung (ca. 1 Monat alt).

    Das oben benannte BekennerInnen-Schreiben zu Baalberge (erreichte uns anonym):
    „In der Nacht vom 4. auf den 5. Juli haben wir ein Feld mit gentechnisch veränderten Kartoffeln des Chemiekonzerns BASF bei Bernburg (Sachsen-Anhalt) teilweise zerstört. Damit wurde einem der gegenwärtig letzten drei Versuche in Deutschland, eine pseudo-wissenschaftliche Legitimation für die Gentechnik zu schaffen, ein Strich durch die Rechnung gemacht.
    Das massive Auskreuzungsrisiko des Versuchsfeldes rechtfertigte unsere rabiate, aber effektive Methode des gezielten Einsatzes von Pflanzengift. Die bekannten Gefahren der genetischen Manipulation reichen für eine bedingungslose Ablehnung dieser Technologie vollkommen aus. Weitere Erforschung auf diesem Feld ist schlicht unnötig und angesichts der Risiken für die Artenvielfalt, die sie unabdingbar mit sich bringt, durch direkte Aktionen zu verhindern.
    Die Forschung an gentechnisch veränderten Pflanzen wird durch einen verantwortungslosen Filz von Wissenschaft, Politik und Konzernen durchgeführt und findet in einem knallhart kapitalorientierten Kontext statt. Die schönen Versprechungen, die dabei schamlos und ständig abgegeben werden, finden keinerlei Entsprechung in der Wirklichkeit. Die propagierte Lösung der Hungerproblematik durch Gentechnik wird nicht nur nicht erreicht, sondern in die entfernteste Zukunft verschoben. Tatsächlich nehmen Landgrabbing, Vertreibung und Vergiftung von Bäuer*innen und Arbeiter*innen gerade dort zu, wo genetisch manipulierte Monokulturen entstehen und mit Totalherbiziden gespritzt werden. Die Patente auf Saatgut treiben die
    Produzierenden in völlige Abhängigkeit der Konzerne. Und eine Koexistenz von kleinbäuerlichen Strukturen und Gentech-Landwirtschaft ist aufgrund der expansiven Tendenz der letzteren langfristig unmöglich. Profitieren können in dieser Dynamik also niemals die H
    ungernden, niemals die Marginalisierten, sondern ausschließlich die Konzerne und ihre Lobbyist*innen.
    Widerstand gegen diese Verhältnisse lohnt sich – immer und überall! Deutschland ist beinahe frei von Gentech-Feldern. Doch auch weiterhin gilt es, in Solidarität mit Subsistenzwirtschaftenden, Kleinbäuer*innen, von Vertreibung Betroffenen und Umweltaktivist*innen weltweit aktiv zu bleiben!“

  • Vor Ort ließen sich aber keine Beschädigungen erkennen.
  • Feld wird bewacht.

Bewertung: Das Feld steht noch, zumindest weitgehend. Wenn der BekennerInnenbrief echt ist, war das wohl eher ein Versuch der Feldbefreiung mit eher Null-Wirkung.

Feld BASF-Kartoffeln Gatersleben

  • Liegt auf dem eingezäunten IPK-Gelände (wo auch das InnoPlanta-Forum stattfinden soll)
  • Überwachung durch gleiche Kamera-/Wärmebildausstattung wie 2008 bei Genweizenfeld plus Wachperson
  • Klar erkennbar 100% zerstört (alle Kartoffeln gleichmäßig braun), mit Teleobjektiv gefilmt
  • an IPK-Pforte wurde dem Kamerateam trotzdem gesagt, dass das Feld bestens wachse und unbeschädigt sei.

Bewertung: Das Ding ist tot. Die Aussage am Eingang zeigt, das das Verschweigen die Strategie ist.

InnoPlanta-Forum 2012: Es rückt näher …

Ort und Termin: Dienstag, 4. September, 10-17 Uhr – und NICHT in Üplingen, sondern in Gatersleben!!! Da, wo die größte Genbank liegt, wo seit Jahren Gentechnik-Firmen rumpfuschen, die ersten Bioparks vor über 10 Jahren entstanden – dorthin kehrt die Gemeinde der Seilschaften zurück. Das Programm ist erbärmlich: Die peinlichsten Figuren stellen selbst die überwiegenden ReferentInnen, diskutieren weitgehend mit sich selbst. Einen besonderen Schwerpunkt hat das Ganze nicht.
Guckt es Euch selbst an …
Wir rufen jetzt dazu auf, Busse, Fahrgemeinschaften und mehr klarzumachen. Gatersleben hat den Vorteil, auch per Zug gut erreichbar zu sein. Wir wollen den Gentechnik-Seilschaften deutlich zeigen: Wir wollen Euch nicht (mehr)! Aktionsideen dazu:
- Große „rote Karten“ basteln und entgegenhalten (möglichst alle)
- Straßenmusik, -theater, Transparente …
Wir werden Versammlungen an allen Zufahrtsstraßen anmelden (von Nord nach Süd entlang der Straße „Schwabeplan“.