Aktionen, Vorträge und mehr auf und um die Grüne Woche in Berlin

  • 21.1.: Demonstration „Wir haben es satt“
  • 21. und 23.1.: Vorträge zu Gentechnikseilschaften und Protestformen
  • 2.2.: Strafprozess gegen Kritikerin verfilzter Behörden

Am 20. Januar startet die Grüne Woche in Berlin. Damit steht das umkämpfte Thema Landwirtschaft auf der Tagesordnung. Verschiedene Gruppen und Initiativen treten gegen an die von Konzernen, staatlichen Stellen und Förderprogrammen forcierte Zerschlagung bäuerlicher Landwirtschaft, die dem Aufbau agroindustrieller Strukturen dient.
Mit eigenen Aktionen und Veranstaltungen wollen unabhängige AktivistInnen nicht nur für eine selbstbestimmte Landwirtschaft in einer herrschaftsfreien Welt eintreten, sondern auch für mehr Entschlossenheit im Protest werben: „Wir mögen eine bunte Vielfalt an Protestform – aber um riesige Kapitalinteressen zu besiegen, braucht es mehr als Appelle an die Mächtigen“, formuliert Hanna Poddig ihren Aufruf. Sie wird Rednerin auf der Demonstration „Wir haben es satt!“ am 21.1. in Berlin sein und zusammen mit anderen auf Stelzen eine neue Aktionszeitung verteilen, die in den vergangenen Tagen in der Projektwerkstatt im hessischen Saasen entstanden ist. Von dort reist auch der Buchautor Jörg Bergstedt an, der in Berlin gleich zweimal seinen brisanten Vortrag über die Seilschaften zwischen Konzernen, Behörden, Geldgebern (Politik), Forschung und Lobbyverbänden der deutschen Agro-Gentechnik halten wird: Am 21. abends um 20.30 Uhr im Kubiz (Berlin-Weißensee, Bernkasteler Str. 78) und am 23. direkt auf der Internationalen Grünen Woche (13 Uhr, Biomarkt-Halle 6.2 a) auf Einladung von Biokreis e.V. Dabei geht es um mafiöse Strukturen und skandalöse Zustände bei Genehmigungen und Geldvergabe von Genversuchsfeldern. In den vergangenen Jahrzehnten seien alle relevanten Posten in Genehmigungsbehörden, Bundesfachanstalten und geldvergebenden Ministerien mit GentechnikbefürworterInnen besetzt worden – viele davon sitzen in der Bundeshauptstadt. Die meisten von ihnen sind direkt in die Gentechnikkonzerne eingebunden. Seilschaften von Kleinstunternehmen, Universitätsinstituten und seltsamen Biotechnologieparks names Biotechfarm oder Agrobiotechnikum entstanden, zwischen denen Aufträge und Gelder erst veruntreut und dann hin- und hergeschoben werden, bis sich ihre Spur auf den Konten der Beteiligten verliert. Bergstedts Recherchen waren bereits Anlass mehrerer Gerichtsverfahren. GentechniklobbyistInnen wollten ihm per Maulkorb-Klage mundtot machen, doch am Ende unterlagen sie glatt. Sein Vortrag und Buch wurden damit quasi gerichtlich geadelt.

Als Widerstandsform bevorzugt auch Jörg Bergstedt eine bunte Mischung, hält aber auch mehr für nötig als appellative Aktionen: „Es wird Zeit für einen Widerstand gerade an den Orten der Seilschaften – also den Feldern, den Ämtern und den bislang meist übersehenen Universitäten und Forschungsgesellschaften. Kontrollbehörden und Forscher werden den geldgeilen Firmen und ProfessorInnen keine Steine in den Weg legen.“ Der geplante Informationsabend nach der Demonstration am 21. soll neben dem Vortrag über Seilschaften auch Platz für einen Austausch über Protestformen bieten. Ab 16 Uhr ist dafür ins Kubiz nach Weißensee eingeladen.

Als Hinweis in die einseitige Rolle des Staates pro Agrarindustrie werten die AktivistInnen auch einen anstehenden Prozess am 2.2. um 9 Uhr vor dem Amtsgericht Tiergarten gegen eine GentechnikgegnerInnen, die 2009 vor dem Julius-Kühn-Institut gegen deren Verflechtungen mit Konzernen und Lobbyisten protestierte. „Die gewünschte Bestrafung soll Protest einschüchtern und die Bahn für die Durchsetzung der Profitinteresse freiräumen“, kritisieren Beteiligte an der damaligen Aktion die Kriminalisierung des legitimen Protestes.

Die Termine im Überblick:

  • Samstag, 21.1. ab 11.30 Uhr in Berlin: Bundesweite Demo „Wir haben es satt!“
  • Samstag, 21.1. ab 16 Uhr in der Aula des Kubiz, Bernkasteler Str. 78 in Berlin-Weißensee
    Informationsabend „Aktiv gegen Gendreck & globale Agroindustrie“
    16 Uhr Begrüßung und Abendprogrammvorstellung (danach Essen // Büchertisch)
    17 Uhr Kurzfilme: Aktionen und Aktiönchen gegen Agrarmultis und Gentech-Saatgut
    17 Uhr Input: „Widerständig 2012: Welche Widerstandsperspektiven gegen Gendreck und Agrarmultis bieten sich für 2012?“
    18 Uhr World-Café (Gesprächsrunden) zu den Themen „Gentechnik-Widerstand“, „Saatgutkampagnen“, „Ernährungssouveränität“
    19:30 Uhr Ideensammlung&Auswertung + Vernetzung
    20.30 Uhr: Ton-Bilder-Schau „Monsanto auf Deutsch – Seilschaften zwischen Behörden, Forschung und Gentechnikkonzernen“
  • Sonntag, 22.1., 19 Uhr in Berlin im Frei(t)raum (Humboldt-Uni, Dorotheenstr. 28):: Vortrag und Diskussion „Statt selbst denken: Religion, Esoterik, Verschwörungstheorien und Biologismen“ (Kritik an vereinfachten Welterklärungen, die auch in der Gentechnikkritik immer wieder auftauchen)
    Montag, 23.1. um 13 Uhr auf der Grünen Woche (Bühne in Biomarkt-Halle 6.2a): Ton-Bilder-Schau „Monsanto auf Deutsch – Seilschaften zwischen Behörden, Forschung und Gentechnikkonzernen“
    Donnerstag, 2.2., 9 Uhr, Amtsgericht Tiergarten (Berlin, Turmstraße 91), Sitzungssaal 862: Hausfriedensbruchsprozess wegen Protestaktion im Sommer 2009 vor dem Julius-Kühn-Institut in Berlin-Dahlem. Das JKI ist mit Konzernen und Lobbyverbänden extrem verfilzte Behörde, die aber eigentlich unabhängig forschen soll. Einer der beiden ämterreichsten, deutschen Gentechnikseilschafter, Joachim Schiemann, arbeitet dort (im Hauptsitz Quedlinburg). Der Angeklagten wird nun vorgeworfen, sich an einer Protestaktion beteiligt und das Aufhängen eines Banners vom Boden aus beobachtet zu haben. Sie wurde des Hausfriedensbruchs beschuldigt und muss sich – nachdem sie gegen einen Strafbefehl in Höhe von 30 Tagessätzen zu je 15 Euro Einspruch eingelegt hat – vor Gericht verteidigen.

Informationen und Links

  • Infoseiten zu den Seilschaften der Gentechnik: www.biotech-seilschaften.de.vu
  • Mobilisierung zur Demo am 21.1.: www.wir-haben-es-satt.de
  • Informationen zum Prozess am 2.2.: http://www.wiki.projektwerkstatt.de/index.php/Gerichtsprozesse

Kontakt: Projektwerkstatt, Tel. 06401/903283, saasen@projektwerkstatt.de
(während der Tage in Berlin: 01522-8728353).