Berlin: Blockade am Forschungsministerium

Aktivistinnen ketten sich am Haupteingang des BMBF in Berlin fest und protestieren gegen die Finanzierung der Gentechnik durch die öffentliche Hand.

„Entfilzen“ steht auf einem Transparent am Haupteingang des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Zwei Personen haben sich an einem Zufahrtstor mit einem Stahlrohr fest gekettet, weitere GentechnikgegnerInnen klären PassantInnen über ihre Aktion und die Seilschaften in der Gentechnik auf.

Jährlich werden Millionen Euro in die vermeintliche Sicherheitsforschung gesteckt. Für den Zeitraum 2007-2010 sind es beispielsweise 10 Millionen Euro, die über das BMBF in die Kassen von Gentechnikfirmen und in Gentechnikprojekte fließen! „Der Hahn muss endlich zugedreht werden. Es darf nicht sein, dass eine Technologie, die von der Bevölkerung abgelehnt wird, weiter mit öffentlichen Geldern gefördert wird“, erläutert Cécile Lecomte, eine der AktivistInnen. „Aus diesem Grund haben wir heute das Ministerium – symbolisch – zugeschlossen. Freiwillig werden wir das Feld nicht räumen, damit zeigen wir unsere Entschlossenheit!“ Mit ihrer Forderung stehen die AktivistInnen nicht alleine da. Laut FORSA-Umfragen lehnen ca. 80% der Bevölkerung die Gentechnik ab. Trotz dieser Tatsache wird Gentechnik weiter angebaut. Dies erfolgt in den meisten Fällen unter dem Deckmantel der sogenannten Sicherheitsforschung.

Auch in diesem Jahr wurden in Deutschland zahlreiche Versuchsfelder angelegt und durch das BMBF kofinanziert. Die GentechnikgegnerInnen sind der Meinung, dass das Argument der Sicherheitsforschung nur ein Vorwand dafür ist, Akzeptanz für eine gefährliche und unbeliebte Technologie zu schaffen, sowie die Markteinführung vorzubereiten. Dies ließe sich am Beispiel des Versuchsfeldes in Bütow erläutern, so Lecomte. „Das BMBF hat dort Gelder für ein Feld mit transgenen Kartoffeln bewilligt. Das Feld ist 20 Hektar groß und wird dennoch als Forschung deklariert! Bei der Größe kann es sich aber nur um Saatgutproduktion handeln! Die Gentechniklobby will uns vor Tatsachen stellen. Je mehr Gentechnik, desto mehr Verseuchung und Skandale um verunreinigtes Saatgut. Irgendwann haben VerbraucherInnen keine Wahl mehr.“ Ein gutes Beispiel sind kontaminierte Leinsamen, die vor wenigen Tagen für Schlagzeilen sorgten.

Im Fokus der Kritik stehen zudem die Seilschaften in der Gentechnik. Dass eine Technologie, die von ca. 80% der Bevölkerung abgelehnt wird, durch die öffentliche Hand gefördert wird, lässt sich durch den hohen Grad an Verfilzung zwischen Behörden und Gentechniklobby erklären.

Die Professorin und Lobbyistin für Agrobiotechnologie Inge Broer ist ein Beispiel dieser Verfilzung: sie ist an der Rostocker agrar- und umweltwissenschaftlichen Fakultät als Professorin tätig. Die Universität führt Genversuche beim Agrobiotechnikum in Groß Lüsewitz durch. Dort spielt der private Firmenverbund BioOK eine große Rolle. Er wird im wesentlichen vom BMBF finanziert, und Inge Broer ist sowohl Gesellschafterin des BioOK als auch Mitglied eines Gremiums des BMBF, nämlich des Futur Fokusgruppe Agrarproduktion. Die Professorin ist weiterhin Mitglied sämtlicher Pro-Gentechnik Lobbyverbände wie FINAB, etc. Außerdem ist sie Mitglied in den wissenschaftlichen Beiräten von Umwelt- und Wirtschaftsministerium in MeckPomm.

Quellen nachlesen:
http://www.bmbf.de/press/2098.php
http://umweltinstitut.org/gentechnik/allgemeines-gentechnik/daten_genfilz_mp-611.html

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1 Antwort auf „Berlin: Blockade am Forschungsministerium“


  1. 1 Administrator 15. September 2009 um 15:23 Uhr

    Gerade wurden die vor dem Forschungsministerium in Berlin angeketteten
    Aktivistinnen geräumt. Um 13:30 Uhr begann die Polizei mit Metallsäge
    und Flex ihre Fesseln zu lösen.
    Die Angeketteten sehen ihre Aktion als Erfolg. „Wir haben das
    Ministerium über 24 Stunden lang blockiert – das ist für uns ein großer
    Erfolg.“, so Lisa, eine der angeketteten Aktivistinnen.

    Herr Lange, der zuständige Abteilungsleiter im BMBF, hat eine
    öffentliche Debatte mit den AktivistInnen zugesagt. In einer
    Podiumsdiskussion, die für Anfang Oktober anberaumt wird, soll vor
    Presse und interessierter Öffentlichkeit über Rolle und Aktivitäten des
    BMBF im Bereich der grünen Gentechnik debattiert werden. Auf dem Podium
    werden etwa drei GentechnikgegnerInnen mit genausovielen
    BMBF-MitarbeiterInnen diskutieren. Wir erhoffen uns nicht all zu viel
    von diesem Gespräch, sehen es aber als zusätzliche Chance auf die
    skandalösen Geldvergabepraktiken des BMBF hinzuweisen“,so Hanna Poddig,
    eine der UnterstützerInnen..

    Die AktivistInnen sind unverletzt, aber erschöpft- auch weil die Polizei
    schikanös gegen sie vorgegangen war und ihne Schlafutensilien
    beschlagnahmt hatte und die Aktivistinnen daher seit über einem Tag wach
    sind.

    „Kreativität und Entschlossenheit unserer Aktion haben dazu geführt,
    dass wir wahrgenommen werden.“ freut sich Hanna Poddig.

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